„Flüchtlingsgespräche“ im Birkenwäldchen

Im Hellerauer Birkenwäldchen im Naturraum kann man an den Wochenenden vom 12. Juni bis 11. Juli 2021 die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“ unter freiem Himmel anschauen.

Über die Ausstellung

Wir wohnen auf dem Lande in Mecklenburg-Vorpommern. Solveig Witt in Dabel, Christian Lehsten in Rothen. In unseren Dörfern sind sehr viele Bewohner Flücht-linge oder Nachkommen von Flüchtlingen. 1945 hatte Rothen 108 Einwohner, 1946 waren es über 180. Die Anzahl der Bewohner hatte sich durch die Flüchtlinge fast verdoppelt. In den vielen Gesprächen, die wir mit unseren Nachbarn geführt haben, spielte die Flucht immer wieder eine große Rolle. Die Furcht vor den Bom-ben und dem Beschuss der Heimatorte, der Hunger, die Vertreibung aus den Häu-sern, die Angst der Frauen vor Vergewaltigungen bewog die Menschen, die Hei-mat zu verlassen. Niemand hat freiwillig die Heimat verlassen. Viele erzählten uns, wie schwer es für sie war, hier als Fremde anzukommen. Neben der materiel-len Not war auch die gesellschaftliche Ausgrenzung und Diffamierung für viele eine bedrückende und demütigende Erfahrung. Die Flüchtlinge galten als die „Zi-geuner“ oder die aus der „Batschka“, die angeblich immer das Messer schnell zur Hand hatten. Ist die Lage der Flüchtlinge heute 2016 nicht in Vielem sehr ähnlich? Wir beschlos-sen, Gespräche mit Flüchtlingen zu führen und deren Geschichten aufzuschreiben. So kamen wir zu den Erzählungen alter Menschen, die die Flucht 1945 über-standen hatten und in den Orten Rothen, Borkow, Sternberg oder Bolz eine neue Heimat gefunden hatten. Und wir unterhielten uns mit Flüchtlingen in der Asyl-bewerberunterkunft in Dabel, die uns schreckliche Erlebnisse ihrer teilweise jahrelangen Flucht berichteten.Wir haben diese Geschichten aufgeschrieben und von jedem ein Foto gemacht. Wir haben die Geschichten aus den ganz verschiedenen Zeiten sehr bewusst ne-beneinander gestellt. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Fluchtgeschichten vergleichbar sind, auch wenn die konkreten Ursachen unterschiedlich sein mö-gen. Für die Betroffenen ist Flucht, d.h. Verlust der Heimat, des Besitzes, der Arbeit, usw. eine große Beschwernis. Die Erfahrung, als Fremder nicht willkommen zu sein, als Mensch zweiter Klasse abgelehnt zu werden, ist entwürdigend.Wir haben die 8 Geschichten und die 8 Portraits zu einer Ausstellung zusammen-gestellt, die zuerst an KUNST OFFEN 2016 im Verein Rothener Hof gezeigt wird. Die Ausstellung kann ausgeliehen werden und wir hoffen, dass sie an vielen Orten gezeigt wird. Herzlichen Dank an den Verein Rothener Hof, an dessen Vereinsgebäude die Ausstellung zum ersten Mal gezeigt wird. Dank auch an den Landkreis Ludwigslust-Parchim, der das Projekt finanziell unterstützt hat und an Bastian v. Lehsten, der unentgeltlich das Layout dieser Broschüre gestaltet hat.

Solveig Witt und Christian Lehsten

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